Workshops

 

Die jährliche WTAS wird von Workshops eingerahmt, die unterschiedliche Themen der Autismus-Forschung, aber auch angewandtere Themenfelder abdecken.

WGAS Autismus - Unsere Ziele

 

 

Die Workshops werden separat von der Tagung gebucht. Die Teilnahme an der WTAS ist verpflichtend, um sich für die Workshops registrieren zu können. Bitte beachten Sie, dass kurzfristige Änderungen am Workshop-Programm möglich sind. 

Für die Workshops werden Fortbildungspunkte vergeben, welche wir von der Ärztekammer Baden-Württemberg zertifizieren lassen. Bitte bringen Sie Ihre „Einheitliche Fortbildungsnummer“ (EFN) zur Tagung mit, damit wir Ihren Status überprüfen können. Die Fortbildungspunkte werden ebenfalls von der Psychotherapeutenkammer anerkannt. 

Schematherapie bei Jugendlichen und Erwachsenen mit ASS

Dipl.-Psych. Claus Lechmann

In bisherigen Ansätzen zur Therapie und Förderung von Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung spielen die psychischen Grundbedürfnisse und individuellen Bewältigungswege keine oder eine untergeordnete Rolle. Die Anwendung der Schematherapie in diesem Bereich ist relativ neu, erscheint aber schon jetzt als notwendige Ergänzung und Erweiterung der üblichen Praxis.

In diesem Seminar sollen typische Schemata bei Menschen mit einer autistischen Störung herausgearbeitet und ein störungsspezifisches Moduskonzept entwickelt werden. Typische Hürden bei der Anwendung mit Menschen mit einer autistischen Störung werden beschrieben, eingeordnet und Lösungswege aufgezeichnet.

Methoden: Vortrag, Präsentation, Video-Demonstrationen, ggf. Diskussion eigener Fälle

Claus Lechmann ist Diplom-Psychologe, PP, KJP. 10 Jahre Klinische Tätigkeit in verschiedenen Psychiatrien. Seit 1995 Leitung des AutismusTherapieZentrums (ATZ) in Köln, seit 1997 Dozent, Supervisor, Selbsterfahrungsleiter bei verschiedenen Ausbildungsinstituten, Leiter einer VT-Lehrpraxis. Mitglied der Steuergruppe der AWMF-S3-Leitlinien zur Diagnostik und Therapie der Autismus-Spektrum-Störungen. Seit 2005 schematherapeutische Fortbildung, 2014 ISST-Zertifizierung, Mit-Herausgeber & Autor von Buchkapiteln und einem Lehrvideo zum Thema „Schematherapie mit Kindern und Jugendlichen“.

„So laut ich konnte dachte ich, dass ich sie liebte“ – Emotionserleben und Training emotionaler Kompetenz bei Menschen im Autismus-Spektrum“

Michaela Hartl

Emotionen prägen unser Leben maßgeblich. Jede Handlung, jede Entscheidung, jeder Gedanke steht unter dem Einfluss emotionaler Wirksamkeit. Kompetent damit umgehen zu können, ist Voraussetzung für: ein aktives Leben in verschiedenen gesellschaftlichen Strukturen, effizientes Lernen, das Fällen sinnvoller Entscheidungen und für fruchtbares soziales Handeln.

„Emotionale Kompetenz“ wird durch perzeptive und kognitive Lern- und Verarbeitungsprozesse in der Kindheit erworben und meint Wahrnehmung, Zuordnung, Interpretation, Ausdruck und Kontrolle, sowohl eigener als auch interindividueller emotionaler Zustände.

Tatsächlich sind die Lebenswelten von Menschen im Autismus-Spektrum ebenso von Emotionen beeinflusst, wie dies bei allen Menschen der Fall ist. Jedoch erschweren sensorische Hyposensibilitäten die Wahrnehmung des eigenen emotionalen Geschehens und neuronale Spezifika in den für die Emotionsverarbeitung und -regulierung zuständigen Hirnregionen. Diese hemmen die notwendigen Lern- und Entwicklungsprozesse. Die aufgrund dessen fehlenden Grundanlagen beeinträchtigen Entwicklung, Aufrechterhaltung und adäquate Nutzung emotionaler Kompetenz.

Durch gezieltes Training, das sich methodisch an diesen Spezifika orientiert und individuell ressourcenfokussiert angewendet wird, kann eine effektive Verbesserung erreicht werden.

In diesem Workshop wird zunächst der aktuelle Forschungsstand zur emotionalen Entwicklung autistischer Menschen beleuchtet. Anschließend werden Methoden zur Anwendung effektiven Trainings emotionaler Kompetenz vorgestellt. Praktische Beispiele werden durch Video-Material untermalt und Raum zur gemeinsamen Erarbeitung von Förderansätzen für Fallbeispiele gegeben.

Michaela Hartl (vm. Sommerauer) ist akad. Pädagogin sowie Sonder- und Heilpädagogin, Autismus-Trainerin und -Fachberaterin, ADHS-Trainerin für Erwachsene und Kinder und Expertin für Tiergestützte Therapie mit Hund. Sie leitet die Coaching- und Beratungs-Einrichtung 8ung.net und ist stellvertretende Obfrau des Vereins Team ADHS sowie der Heilpädagogischen Gesellschaft Wien. Ihr Forschungsinteresse gilt v.a. dem Emotionsleben von Menschen im Autismus-Spektrum, ein Forschungsprojekt an der Universität Wien diente als Grundlage für das von ihr entwickelte Emotions-Kompetenz-Training „AspEKT“. In 30-jähriger Tätigkeit in Institutionen sowie in freier Praxis liegen ihre Schwerpunkte im Bereich Autismus-Spektrum in der Förderung der Körperwahrnehmung, des Ich-Bewusstseins sowie emotionaler und sozialer Kompetenz. Beratung und Schulungen für Fachleute, Betroffene und Eltern, sowie internationale Lehr- und Vortragstätigkeit ergänzen ihre Arbeit.

ASS: Diagnostik und Differrentialdiagnostik im Kindes- und Jugendalter

Prof. Dr. Michele Noterdaeme

Autistische Störungen gehören zu den gravierendsten kindlichen Entwicklungsstörungen und haben bedeutsame Auswirkungen auf die Gesamtentwicklung des Kindes und seiner Familie. Eine frühe und sichere Erkennung sowie Behandlung dieser Störung ist deshalb besonders wichtig.

Im Workshop wird zunächst ein Überblick über die Entwicklung des Konzepts ASS gegeben. Die Definition, das Erscheinungsbild in Abhängigkeit vom Alter des Kindes und die aktuelle Klassifikation autistischer Störungen werden dargestellt. Die wesentlichen Komorbiditäten und Zusatzsymptomatik, sowie die differentialdiagnostische Abgrenzung gegenüber anderen Entwicklungsstörungen werden diskutiert. Der Kreislauf des diagnostischen Prozesses (Erkennen, Screening, Diagnostik) und seine Bedeutung für den weiteren Entwicklungsverlauf des Kindes wird ebenfalls thematisiert.

Michele Noterdaeme  ist Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie, Zusatzbezeichnung Psychotherapie. Sie hat in Gent (Belgien) Medizin studiert und ihre Facharztausbildung für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Max-Planck-Institut für Psychiatrie, an der Universitätsklinik im Dr. von Haunerschen Kinderspital und an der Heckscher-Klinik in München absolviert. 2003 habilitierte sie an der Ludwig-Maximilians-Universität mit dem Forschungsschwerpunkt neuropsychologische Defizite bei Autismus-Spektrum-Störungen. Von 2009 bis Dezember 2021 war sie Chefärztin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und – psychotherapie am Josefinum in Augsburg und ist Vorstandsvorsitzende der Wissenschaftlichen Gesellschaft Autismus-Spektrum. Sie hat zahlreiche wissenschaftliche Artikel in Fachzeitschriften und Bücher publiziert und hat langjährige Erfahrung in der klinischen Tätigkeit im Bereich Autismus-Spektrum-Störungen. Zudem leitete sie verschiedene wissenschaftliche Projekte zur Erkennung und Behandlung von Autismus-Spektrum-Störungen.

Freiburger Elterntraining für Autismus-Spektrum-Störungen: FETASS

Dipl.-Psych. Bettina Brehm und Dr. phil. Judith Schill

Elterntrainings haben sich bereits bei mehreren Störungen der neuronalen und mentalen Entwicklung, unter anderem auch bei Autismus-Spektrum-Störungen als wirksam und nützlich erwiesen. In den letzten Jahren sind im Bereich der Autismus-Spektrum-Störungen einige deutschsprachige autismusspezifische Manuale zu Elterntrainings entstanden.

In diesem Workshop wird eine Einführung in das „Freiburger Elterntraining für Autismus-Spektrum-Störungen“ (Brehm, Schill, Biscaldi & Fleischhaker, 2015) gegeben. Das Training richtet sich an Eltern von Kindern mit hochfunktionalen ASS im Alter von 5 bis 12 Jahren. Es umfasst ein manualisiertes, strukturiertes Gruppenprogramm für Eltern mit dem Ziel, die Erziehungsfertigkeiten der Eltern zu verbessern und hilfreiche Strategien für die Bewältigung des Alltags mit dem betroffenen Kind zu vermitteln. Im Workshop werden die acht Sitzungen des Elterntrainings anhand der vorliegenden Materialien (Manual, Arbeitsbuch für Eltern, Folien zur Durchführung der Sitzungen) praxisnah vorgestellt.

Der Workshop richtet sich vor allem an Fachpersonen, die in der Beratung von Eltern tätig sind und die ein spezifisches Elterngruppentraining durchführen möchten.

Bettina Brehm ist Diplom-Psychologin und Psychologische Psychotherapeutin und arbeitet seit 2003 an der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im Kindes- und Jugendalter des Universitätsklinikums Freiburg. Nach mehreren Jahren im teilstationären Bereich arbeitet sie nun in der Psychiatrischen Institutsambulanz mit dem Schwerpunkt ASS (Diagnostik, Behandlung, Beratung, Supervision). Gemeinsam mit Judith Schill hat sie das Elterntraining FETASS entwickelt und führt dies regelmäßig durch.

Judith Schill ist Diplom-Psychologin und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin. Sie hat zunächst am Institut für Psychologie der Universität Freiburg promoviert und arbeitet seit 2005 an der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im Kindes- und Jugendalter des Universitätsklinikums Freiburg. Nach mehreren Jahren im stationären Bereich arbeitet sie nun in der Psychiatrischen Institutsambulanz mit dem Schwerpunkt ASS (Diagnostik, Behandlung, Beratung, Supervision). Gemeinsam mit Bettina Brehm hat sie das Elterntraining FETASS entwickelt und führt dies regelmäßig durch.

Autismus-Spektrum-Störungen im Erwachsenenalter und Borderline-Persönlichkeitsstörungen

Dr. Swantje Matthies, Dr. med. Ismene Ditrich und Dr. phil. Martina Schlatterer

Borderline-Persönlichkeitsstörungen (BPS) gehören nicht zu den Komorbiditäten und Differenzialdiagnosen, die mit Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) vorrangig in Verbindung gebracht werden. Dabei zeigt sich in der Diagnostik und Therapie beider Störungsbilder, dass symptomatisch Überlappungen bestehen und auch das Auftreten beider Störungen als Komorbidität in relevanter Häufigkeit auftritt. Besonders bei Frauen stellt sich häufig die Frage, ob eine BPS, eine ASS oder beide Diagnosen vorliegen. Wissenschaftlich ist das Thema „ASS und BPS“ noch wenig erschlossen. Empfehlungen zur Therapie der komorbiden ASS + BPS stützen sich bislang nur auf klinische Erfahrungen in Einzelfällen.

Im vorliegenden Workshop sollen zunächst differentialdiagnostische Aspekte erörtert werden. Darüber hinaus werden zusätzliche therapeutische Inhalte ergänzend zur klassischen CBT bei Autismus-Spektrum-Störungen dargestellt. Erfahrungen mit stationären Patientinnen auf der Spezialstation für Borderline-Persönlichkeitsstörungen, bei denen komorbid oder differenzialdiagnostisch eine ASS vorliegt und mit Patientinnen auf der Spezialstation für ASS, bei denen komorbid oder differenzialdiagnostisch eine BPS vorliegt, fließen ein. Anhand von Fallvignetten können die Workshop-Teilnehmer*innen interaktiv in die Erarbeitung der Differenzialdiagnostik und Behandlungsplanung einbezogen werden und sind eingeladen, Erfahrungen auszutauschen und zu diskutieren.

Swantje Matthies ist Oberärztin an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsklinik Freiburg. Sie leitet die Station mit dem Schwerpunkt auf der Behandlung von Borderlinestörungen nach dem DBT-Konzept und die Spezialsprechstunde ADHS. Sie verfügt über langjährige klinisch-psychotherapeutische und wissenschaftliche Erfahrung im Bereich von Entwicklungsstörungen und emotionaler Instabilität.

Ismene Ditrich ist als Funktionsoberärztin in der Psychiatrischen Hochschulambulanz der Universitätsklinik Freiburg tätig. Sie leitet ärztlich die Spezialsprechstunde für Autismus-Spektrum-Störungen im Erwachsenenalter. 2013 promovierte sie zum Thema Sprachpragmatik bei Erwachsenen mit Asperger-Syndrom.

Martina Schlatterer Studium der Psychologie an der Universität Konstanz, 2003 Diplom in Psychologie, 2009 Approbation zur Psychologischen Psychotherapeutin mit Schwerpunkt Verhaltenstherapie, stationäre psychotherapeutische Tätigkeiten in verschiedenen Kliniken, 2013 Promotion im Bereich Motivationspsychologie, seit 2013 Anstellung an der Psychiatrischen Universitätsklinik Freiburg als Stationspsychologin auf der Station für Psychotische Störungen und Autismus-Spektrum-Störungen.

Bei Autismus ist alles anders? Behandlung von Komorbiditäten bei Kindern und Jugendlichen mit Autismus-Spektrum-Störung

Dr. med. Thomas Stehr und Dr. rer. nat. Anika Langmann

Bis zu 80% der Menschen mit Autismus haben mindestens eine komorbide psychiatrische und/oder somatische Störung oder Erkrankung. Dies macht den Behandlungsbedarf eher zur Regel als zur Ausnahme. Begleiterkrankungen können ohne angemessene Behandlung einen verstärkenden Effekt auf die Kernsymptomatik haben. Eine adäquate Behandlung hingegen hat einen wesentlichen Einfluss auf die Lebensqualität, die Prognose und das Funktionsniveau von Menschen mit Autismus. Der Workshop stellt die häufigsten komorbiden Störungen vor und legt einen Schwerpunkt auf die therapeutischen Besonderheiten in der Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Autismus. Der Fokus liegt auf evidenzbasierten medikamentösen und psychosozialen Behandlungsmöglichkeiten in verschiedenen Settings. Anhand von Fallbeispielen inkl. individueller Störungskonzepte sollen geeignete Interventionen aufgezeigt und gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern diskutiert werden.

Thomas Stehr ist Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie sowie für Kinder- und Jugendmedizin. Seit 2014 ist er Mitarbeiter an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Universitätsklinik Marburg. Als Oberarzt leitet er die Institutsambulanz der Klinik und ist stellvertretender Leiter der Spezialambulanz für Autismus-Spektrum-Störungen. Neben der Differentialdiagnostik ist der Schwerpunkt seiner Arbeit die langfristige Begleitung von Kindern und Jugendlichen mit Autismus-Spektrum-Störungen.

Anika Langmann ist Psychologin und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin (VT). Sie ist seit 8 Jahren in der Arbeitsgruppe von Frau Prof. Dr. Inge Kamp Becker in Marburg tätig und forscht dort zu Diagnostik und Therapie der Autismus-Spektrum-Störungen. Ihr besonderer Schwerpunkt liegt auf der Frühförderung von Kleinkindern mit Autismus. In ihrer psychotherapeutischen Praxis behandelt sie Kinder und Jugendliche aller Altersgruppen mit verschiedenen psychischen Erkrankungen. 

Bewegungstherapie mit autistischen Kindern und Jugendlichen – ein Balanceakt

Dipl.-Heilpädagogin Roswitha Nass und Dr. Till Thimme

In der Fachliteratur ist ein zunehmendes Interesse an dem Thema „Bewegung und Autismus“ festzustellen. Es gibt mittlerweile eine wachsende Zahl an Erkenntnissen und spezifischen Ansätzen und Konzepten. In der praktischen bewegungsbezogenen Arbeit mit autistischen Kindern und Jugendlichen sehen sich Pädagogen und Therapeuten jedoch weiterhin mit einer Reihe an Herausforderungen konfrontiert. Diese betreffen z.B. die Gestaltung der Rahmenbedingungen oder die Wahl geeigneter Methoden und situationsgerechter Hilfen. In diesem Workshop werden mögliche „Stolpersteine“ und typische Herausforderungen bei Sport- und Bewegungsaktivitäten mit autistischen Kindern und Jugendlichen aufgezeigt. Anhand von Videodokumentationen und Fallbeispielen aus dem klinischen Alltag werden Lösungen und Interventionsmöglichkeiten interaktiv erarbeitet und gemeinsam diskutiert.

Roswitha Nass ist seit 30 Jahren als systemische Therapeutin tätig. Im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe sowie im klinischen Setting spezialisierte sie sich auf die Behandlung autistischer Kinder und Jugendlicher sowie die Beratung von Eltern und Bezugssystemen. Aktuell arbeitet sie in der Spezialambulanz für Autismus-Spektrum-Störung der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Bonn mit den Schwerpunkten Diagnostik, Behandlung und Psychoedukation sowie Beratung. Weiterhin hat sie langjährige freiberufliche Tätigkeit im Bereich der Fort- und Weiterbildung sowie Supervision.

Till Thimme ist sowohl Sportwissenschaftler als auch psychoanalytisch-systemischer Therapeut. Seit 12 Jahren arbeitet er hauptberuflich in der klinisch stationären Kinder- und Jugendpsychiatrie im Bereich der Sport- und Bewegungstherapie. Überdies ist er seit vielen Jahren freiberuflich im Bereich der Weiterbildung, Lehre und Forschung tätig.

ADOS-Refresher

Prof. Dr. Inge Kamp-Becker und Dr. med. Mardjan Ghahreman

Viele psychische, Verhaltens- oder Entwicklungsstörungen gehen mit Symptomen einher, die der Symptomatik von Autismus-Spektrum-Störungen ähneln und/oder die Verdachtsdiagnose einer autistischen Störung aufkommen lassen. Die korrekte und valide Diagnostik von Autismus-Spektrum-Störungen stellt in vielen Fällen eine Herausforderung für den Untersucher dar. Die standardisierte Beobachtungsskala (ADOS-2) ist ein wichtiger Bestandteil der Diagnostik, erfordert jedoch vom Untersucher ein Training und umfangreiche Erfahrung in der Durchführung und Kodierung im Hinblick auf das gesamte Spektrum autistischer Störungen sowie sämtlicher relevanter Differentialdiagnosen. Zentral sind regelmäßige Supervisionen und „Kalibrierungen“ der Kodierungen, um die Reliabilität der Einschätzung sicher zu stellen. Dieser Workshop stellt kein ADOS-Training dar, sondern soll Teilnehmern, die bereits ein Training durchlaufen haben, bezüglich der Anwendung des ADOS/-2 auf den neuesten Stand zu bringen, Gelegenheit geben, Fragen oder Fälle zu klären bzw. Unklarheiten auszuräumen. Voraussetzung für die Teilnahme ist eine bereits erfolgte Zertifizierung zur Durchführung des ADOS oder ADOS-2.

Inge Kamp-Becker ist leitende Psychologin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, Universitätsklinikum am Fachbereich Medizin der Philipps-Universität Marburg. Sie ist zertifizierte ADOS/-2 Trainerin und beschäftigt sich seit über 20 Jahren sowohl in wissenschaftlicher, als auch klinischer Sicht mit der Thematik Autismus-Spektrum-Störungen. Sie leitet die Spezialambulanz für Autismus-Spektrum-Störungen der Klinik und koordiniert mehrere multizentrische Forschungsprojekte. Ihre Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit klinisch relevanten Forschungsfragen, die die frühe, valide Identifikation und Behandlung von Autismus zum Ziel haben.  Sie ist zertifizierte ADOS-Trainerin und beschäftigt sich insbesondere mit diagnostischen, differentialdiagnostischen und therapeutischen Aspekten des Störungsbildes Autismus. Sie ist Mitglied der Steuergruppe der AWMF-S3-Leitlinien zur Diagnostik und Therapie der Autismus-Spektrum-Störungen und Vorstandsmitglied der wissenschaftlichen Gesellschaft für Autismus.

Mardjan Ghahreman ist Oberärztin an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, Herz-Jesu-Krankenhaus Fula. Sie ist Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie und zertifizierte ADOS-Trainerin. Sie arbeitet seit vielen Jahren eng mit Frau Prof. Kamp-Becker zusammen und führt mit ihr gemeinsam ADOS/-2-Trainings durch.

Frauen und Mädchen im Autismusspektrum

Silke Lipinski und Dr. Ulrike Sünkel

Autismus hat vielfältige Erscheinungsformen. Heute weiß man, dass neben individuellen Unterschieden auch deutliche Unterschiede zwischen autistischen Frauen und Männern bestehen. Auch wenn diese häufig noch übersehen werden – die geschlechtsspezifischen Unterschiede haben beachtenswerte Auswirkungen auf Diagnostik, Lebensführung und Unterstützungs- sowie Therapiemöglichkeiten.

Mädchen und Frauen mit Autismus weisen spezifische Eigenschaften auf, die ihr Erleben beeinflussen, und stoßen zudem im Laufe ihres Lebens auf andere Schwierigkeiten als Jungen und Männer mit Autismus. Um Frauen und Mädchen mit Autismus optimal darin unterstützen zu können, einen eigenen Weg zu finden, benötigen sie ein individuelles Vorgehen in der Therapie sowie speziell auf sie zugeschnittene Hilfe und Unterstützung.

Im Workshop stellen zwei Frauen, die selbst die Diagnose Autismus haben, anhand von Beispielen aus ihrem eigenen und dem Leben anderer betroffener Mädchen und Frauen typisch weibliche Besonderheiten, Erfahrungen und Herausforderungen in verschiedenen Lebensphasen vor.

Frauen mit Autismus suchen mit anderen Problemen eine Therapie auf als Männer dies tun. Auch eine Reihe von therapeutischen Rahmenbedingungen hat für Frauen mehr Relevanz als für Männer. Diesbezüglich neue Erkenntnisse aus einer eigenen Studie werden ergänzend vorgestellt. Der Workshop soll dazu beitragen, die jeweils bestmöglichen Bedingungen für das Gelingen einer Therapie schaffen zu können. Neben der persönlichen Darstellung von Erfahrungen mit geschlechterspezifischen Anliegen durch die Workshop-Leiterinnen, ergänzt von der Besprechung der erhobenen therapierelevanten Bedürfnisse, wird der Workshop Raum für Fragen und Diskussion von Autismus-assoziierten Problemen bei Mädchen und Frauen bieten.

Silke Lipinski ist Doktorandin in der Arbeitsgruppe ‚Soziale Kognition’ von Prof. Isabel Dziobek, an der School of Mind and Brain, Humboldt-Universität zu Berlin und Asperger-Autistin. Ihre Asperger-Diagnose erhielt sie mit 33 Jahren. Nach dem Abschluss des Studiums in Sprachwissenschaft und Germanistik an der Universität Leipzig und der University of Arizona (USA) war sie in der Lehre im Bereich Erst-, Zweit- und Fremdspracherwerb sowie am Spracheninstitut im Bereich Validierung von Sprachtests an der Universität Leipzig tätig. Derzeit arbeitet sie an einer Dissertation zum Thema Versorgung erwachsener Autisten mit ambulanter Psychotherapie. Sie ist aktives Mitglied der Berliner Autismus-Forschungs-Kooperation (AFK) sowie bei Aspies e. V. und gestaltet Referate und Fortbildungsseminare für Fachkräfte, um zu einem besseren Verständnis für autistische Menschen beizutragen.

Ulrike Sünkel ist Ärztin und Asperger-Autistin. Nach dem Medizinstudium an der Universität Tübingen und einer Tätigkeit in einer kinder- und jugendpsychiatrischen Klinik arbeitet sie aktuell als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Neurologie am Uniklinikum Tübingen. Außerdem engagiert sie sich seit 2009 beim Verein Autismus verstehen e.V. (Raum Reutlingen/Tübingen), wirkt als Dozentin bei Fortbildungen des Vereins mit und gründete 2010 in Tübingen eine Selbsthilfegruppe für Erwachsene im Autismus-Spektrum. Seit 2011 ist sie Mitglied bei Aspies e.V. und vertritt seit 2013 den Verein in der Leitliniengruppe „Autismus-Spektrum-Störungen“. In der Autismus-Forschungs-Kooperation (Berlin) forscht sie zusammen mit anderen autistischen Menschen und Wissenschaftlern an Themen, die autistischen Menschen wichtig sind.

FASTER-Gruppentherapie in der Praxis

Dr. Thomas Fangmeier und Manon Mannherz

Die Freiburger Autismus-spezifische Therapie für Erwachsene (FASTER) wurde 2008 eingeführt und 2017 überarbeitet und erweitert. Nach jahrelangen positiven Erfahrungen werden aktuell 16 der bisher für ambulante Gruppen entwickelten Einheiten im Rahmen der von der DFG geförderten multizentrischen FASTER/SCOTT-Studie evaluiert.

FASTER ist eine manualisierte Gruppentherapie, die sich an Erwachsene aus dem Autismus-Spektrum richtet, die eine leichtgradige oder keine Beeinträchtigung der funktionellen Sprache und keine Störung der Intelligenzentwicklung haben.

Um erfolgreich mit Autist*innen im Gruppensetting zu arbeiten, sind neben einem guten Konzept weitere Faktoren entscheidend. Die Rahmenbedingungen, wie das Therapieteam persönlich zum Phänomen Autismus steht, wie es darüber kommuniziert und die Teilnehmer anspricht. Vieles, was für neurotypische, auch indikationsspezifische Gruppen passend ist, ist nicht autismusgerecht und überlässt die Anpassung den Teilnehmern, was den Therapieerfolg zwangsläufig vermindern wird.

Der Workshop stellt unsere heutige Arbeitsweise und unsere Erfahrungen aus bisher mehr als 20 FASTER-Gruppen vor. Wir erläutern die Struktur des Programms und der Sitzungen und stellen einzelne Interventionen zum Ausprobieren vor.

Thomas Fangmeier arbeitet seit 2007 am Universitätsklinikum Freiburg, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. In der Asperger-Studiengruppe ist er an der Koordination der Asperger-Sprechstunde sowie an der Entwicklung der Gruppentherapie FASER für Menschen mit Asperger-Syndrom oder hochfunktionalem Autismus beteiligt. Seit 2008 ist er als Therapeut im Rahmen der Gruppentherapie FASTER beteiligt.

Manon Mannherz arbeitet seit 2017 in der Forschungsgruppe Autismusforschung der Uniklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Freiburg, ist seitdem an der Weiterentwicklung des FASTER-Programms beteiligt und aktuell Teil des Studienteams der multizentrischen FASTER-SCOTT-Studie. Sie studierte Mathematik in Freiburg und Bonn und verfügt über 16 Jahre Berufserfahrung als IT Project Manager und Information Manager in Team- und Führungsrollen in Deutschland und der Schweiz. Seit 2008 führt sie mit staatlicher Heilerlaubnis eine eigene Praxis für Psychotherapie und Coaching, die auf die Arbeit mit erwachsenen Autist*innen und AD(H)Sler*innen spezialisiert ist. Sie bekam ihre ASS-Diagnose im Alter von 50 Jahren und ist Mutter zweier autistischer Kinder.

Die Bedeutung der sozio-emotionalen Entwicklung in der Unterstützung und Förderung von Menschen aus dem Autismus-Spektrum

Prof. Dr. med. Tanja Sappok & Dr. phil. Thomas Bergmann

Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) sind neuronale Entwicklungsstörungen, die mit einer Verzögerung bzw. unvollständigen Ausbildung kognitiver und sozio-emotionaler Fähigkeiten verbunden sind. Bei Menschen mit einer ASS können neben den autismusspezifizischen Symptomen auch weitere Kompetenzen z. B. im Bereich der sozialen Kognition betroffen sein, was zu Diskrepanzen zwischen den verschiedenen Entwicklungsbereichen führen kann. Diese Entwicklungsverzögerungen und -diskrepanzen können Verhaltensprobleme bis hin zu psychischen Störungen bedingen. Neben einer autismusspezifischen Behandlung kann die Erhebung des sozio-emotionalen Entwicklungsprofils zu einer ganzheitlichen Therapie und Förderplanung beitragen.

Dieser Workshop führt in das Konzept sozio-emotionaler Entwicklung ein und vermittelt die neuroanatomischen und entwicklungspsychologischen Grundlagen der Mentalisierungsfähigkeit und sozio-emotionaler Kompetenzen. Dabei werden insbesondere die typischerweise entwicklungsverzögerten Bereiche bei Menschen mit einer ASS beleuchtet. Anhand der Skala der Emotionalen Entwicklung – Diagnostik (SEED) wird die Erhebung des Entwicklungsstands bei Personen mit einer Störung der Intelligenzentwicklung demonstriert. Herausforderungen und Besonderheiten beim Einsatz der Skala bei dieser Personengruppe werden diskutiert. Mit Hilfe von Fallbeispielen werden mit den Teilnehmenden Assistenz-, Förder- und Behandlungskonzepte entwickelt. Beispiele aus therapeutischer und pädagogischer Praxis der Teilnehmenden sind willkommen, Raum für Erfahrungsaustausch wird gegeben.

Der Workshop vermittelt, wie durch eine auf das Entwicklungsprofil abgestimmte, individuelle Assistenzplanung Selbstständigkeit und soziale Teilhabefähigkeit fördern kann, zusätzliche psychische Krankheiten verhindert werden können und sich die Lebensqualität verbessern kann.

Tanja Sappok ist ab 2023 Chefärztin der Universitätsklinik für Inklusive Medizin und lehrt an der Universität Bielefeld. Wissenschaftlich beschäftigt sie sich mit Themen rund um die psychische Gesundheit von Menschen mit einer Störung der Intelligenzentwicklung. Durch ihr Engagement in verschiedenen nationalen und internationalen Fachgesellschaften, Publikationen, Vortrags- und Lehrtätigkeit und Ihre ärztliche Arbeit setzt sie sich für die Verbesserung psychischer Gesundheit bei Menschen mit Entwicklungsstörungen ein.  

Thomas Bergmann ist Dipl.-Musiktherapeut, Lehrtherapeut (DMtG) und Supervisor in eigener Praxis. Er ist therapeutischer Leiter am Berliner Behandlungszentrum für psychische Gesundheit bei Entwicklungsstörungen. Arbeits- und Forschungsschwerpunkte sind Affektregulation und sozio-emotionale Entwicklung bei Menschen im Autismus-Spektrum. Sein zentrales Anliegen ist die Erweiterung diagnostischer Möglichkeiten im Erwachsenenbereich (MUSAD) und die Entwicklung spezifischer Therapie- und Förderkonzepte, wie das erlebnisbasierte Gruppentraining AutCom).

Individualisierte Auswahl und Anwendbarkeit evidenz-basierter ASS-Förder-, und Therapiemethoden für den Kinder-, und Jugendbereich

Dr. Janina Kitzerow-Cleven und Dr. Ziyon Kim

Ansätze zur Förderung von Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) gibt es mittlerweile viele, dennoch ist die Versorgungslage weiterhin unzureichend. Viele Therapeuten fühlen sich verunsichert im Hinblick auf die Komplexität des Symptomspektrums und der unüberschaubaren Masse an Interventionsmöglichkeiten. In den Leitlinien zu Therapien bei ASS (AMWF, 2021) wurden für den deutschen Kontext Empfehlungen, auf Grundlage der internationalen Studienlage und des Konsens verschiedener interdisziplinärer Fachgesellschaften, verfasst. Diese Empfehlungen sind entsprechend der Charakteristika des Individuums unterteilt (Alter, Sprachlevel, kognitive Entwicklung und Komorbiditäten) und können im Sinne eines Baukasten-Prinzips verstanden werden. Es werden demensprechend zahlreiche evidenz-basierte methodische und ASS-relevante inhaltliche Bausteinen beschrieben, die variabel und entsprechend des individuellen Bedarfs, zielgerichtet eingesetzt werden sollten. Diese Leitlinien bilden einen fundamentalen Schritt zur Implementation effektiver ASS-spezifischer Interventionen und dem weiteren Ausbau von Angeboten für Menschen mit ASS. Aktuelle Herausforderungen für eine gelungene Umsetzung dieser Empfehlungen liegen in der praktikablen Vermittlung dieses Wissens über evidenz-basierte Methoden und relevante Therapiebausteine. Behandelnde benötigen eine ganz praktisch anwendbare Orientierung, um perspektivisch flächendeckend eine strukturierte Umsetzung in den Versorgungskontext zu ermöglichen. Dieser Workshop soll einen praktisch anwendbaren Überblick zu den Empfehlungen vom frühen Kindes-, bis späten Jugendalter bieten. Dementsprechend werden 1) Ganz allgemeine Rahmenbedingungen 2) Grundlegende methodische Bestandteile und darauf aufbauend 3) Inhaltliche Autismus-spezifische Ziele und deren konkrete Umsetzung behandelt. Durch eine Vielzahl an Fallbeispielen und Videos werden wir gemeinsam erarbeiten, wie durch den individualisierten Einsatz von grundlegenden Methoden, eine effektive Förderzielplanung und entsprechende Therapieinhalte im Praxisalltag effektiv umgesetzt werden können und welche Materialien hilfreich sind. Der Workshop wird Raum für einen aktiven Austausch und Diskussionen zu den vermittelten Inhalten bieten und richtet sich vor allem an praktisch tätige Kolleg*innen.

Janina Kitzerow-Cleven ist als wissenschaftliche Mitarbeiterin, im Rahmen einer der international größten Frühförderstudien (A-FFIP), im Autismus-Therapie- und Forschungszentrum des Universitätsklinikums Frankfurt tätig und arbeitet klinisch in der Spezialambulanz für Autismus und Entwicklungsstörungen des Josefinums der KJF in Augsburg. Seit 2007 unterstützt sie Familien und deren Kinder mit ASS mit unterschiedlichsten Förderansätzen. Ihr Forschungsinteresse liegt in der Evaluation autismusspezifischer (Früh-)Interventionen und der Implementation effektiver Förderung und Therapie in den deutschen Versorgungskontext.

Ziyon Kim ist als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Therapeutin im Autismus-Therapie- und Forschungszentrum des Universitätsklinikums Frankfurt am Main tätig. Neben der therapeutischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit Autismus und ihren Familien, leitet sie als Projektmanagerin die DFG-geförderte A-FFIP Studie. Sie studierte Psychologie in Seoul, Korea und promovierte im Bereich der Entwicklungspsychologie in Frankfurt zu Imitation bei Kleinkindern. Ihr Interessensschwerpunkt liegt auf den frühkindlichen Vorläuferfertigkeiten, die im Rahmen von Autismus besonders bedeutsam sind.

Das Kleinkind-Modul des ADOS 2

Prof. Dr. med. Luise Poustka

In den letzten zehn Jahren haben sich viele Untersuchungen auf den frühen Verlauf und die Optimierung der Früherkennung von Autismus-Spektrum-Störungen konzentriert. Besonders im sehr jungen Alter ist der Verlauf der Störung hoch variabel und komplex, was eine korrekte Diagnostik umso schwerer macht. Aufgrund der unzureichenden Spezifität des Modul 1 des ADOS für Kinder mit einem Entwicklungsalter unter 16 Monaten wurde im Rahmen des neuen ADOS 2 ein Kleinkind-Modul entwickelt. Das Modul ist vorgesehen für sehr junge Kinder, deren expressive Sprache den Anforderungen von Modul 1 entspricht (d.h. sie verwenden nicht durchgehend Sätze), die aber zwischen 12 und 30 Monaten alt sind. Für Kinder in diesem Altersbereich ist das Kleinkind-Modul des ADOS 2 inzwischen als verlässliches klinisches Instrument zur Einschätzung eines weiteren Handlungsbedarfs bei autistischen Symptomen etabliert. Mit etwas Übung und ausreichend klinischer Erfahrung mit autistischen Kindern im jungen Alterbreich ist das Kleinkind-Modul analog zu den anderen 4 Modulen sicher anwendbar. Dieser Workshop stellt kein ADOS-Training dar, sondern soll Sie mit den Besonderheiten des Moduls in der Durchführung und der zu untersuchenden Altersgruppe zur Anwendung in der Klinik und Forschung vertraut machen. Der Workshop richtet sich daher sowohl an Kliniker als auch an Wissenschaftler, die bereits etwas Erfahrung mit dem ADOS bzw. ADOS 2 haben. 

Luise Poustka ist ärztliche Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters an der Universitätsmedizin Göttingen. Ihr wissenschaftlicher Schwerpunkt liegt auf der Erforschung und Behandlung von Autismus-Spektrum-Störungen, insbesondere der Früherkennung ab dem Säuglingsalter bei Hochrisikokindern sowie pharmakologischen und verhaltenstherapeutischen Kombinationstherapien bei ASS. Sie ist Mitglied des ersten Deutschen Forschungsnetzes zu Autismus-Spektrum-Störungen und leitet die bisher größte deutsche Untersuchung zur Kombinationstherapie von Oxytocin und Verhaltenstherapie. Sie ist ausgebildete Verhaltenstherapeutin und Supervisorin, Mitglied der Steuerungsgruppe der Deutschen S3-Leitlinien für Autismus-Spektrum-Störungen, Vorstandsmitglied der wissenschaftlichen Gesellschaft Autismus-Spektrum und Mitglied internationaler Konsortien zu Erforschung von ASS.

Beziehungsgestaltung und Zielsetzung in der Psychotherapie Erwachsener aus dem Autismusspektrum

PD Dr. med. Dr. phil. Andreas Riedel und Dr. phil. et lic. phil. Salvatore Corbisiero

In der „neurotypischen Psychotherapie“ ist es längst weitgehender Konsens, dass einer der zentralen Wirkfaktoren von Psychotherapie die therapeutische Beziehung ist. Erstaunlicher Weise scheint dies im Bereich ASS ein wenig ausgeblendet zu sein. Es macht fast den Eindruck, als sei die therapeutische Beziehung in der Therapie von Erwachsenen mit ASS „nicht so wichtig“. Dieser „Neglect“ der therapeutischen Beziehung in der Behandlung von Erwachsenen mit ASS entspringt vielleicht dem Klischee, dass Autisten bindungs- und beziehungslos durch die Welt gingen und auch keine Bindungen brauchten. Das stimmt natürlich nicht. Viele Erwachsene mit ASS haben zwar Schwierigkeiten, gute Beziehungen zu knüpfen, nicht aber wegen mangelnder Bindungsfähigkeit, sondern vielmehr aufgrund der vielen Missverständnisse und Disharmonien mit der neurotypischen Umwelt. Hier ist eine Korrektur der impliziten Annahme, dass die therapeutische Beziehung irrelevant sei, von großer Bedeutung, weswegen sich der Workshop ausführlich dem Thema Beziehungsgestaltung widmet. Damit einher geht die Frage nach sinnvollen und von TherapeutIn und KlientIn geteilten Zielen der Therapie, die individuell sehr unterschiedlich sein können. Auch auf dieses Thema wird sich der Workshop fokussieren.

Andreas Riedel ist seit 2020 Teil eines Leitender-Arzt-Tandems an der Luzerner Psychiatrie und leitet dort u.a. die Fachstelle Autismus. Er war von 2009 bis 2020 Leiter der Spezialsprechstunde für Autismus-Spektrum-Störungen im Erwachsenenalter sowie Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg. Er studierte Philosophie und Medizin in Freiburg im Breisgau, Kathmandu und London. Psychotherapeutisch wurde er tiefenpsychologisch ausgebildet.

Salvatore Corbisiero ist seit 2019 Leiter der Tagesklinik Luzern der Luzerner Psychiatrie. Er war von 2011 bis 2018 an den Universitären Psychiatrischen Kliniken in Basel tätig und hatte zuletzt die Leitung der Spezialsprechstunden für ADHS und Autismus-Spektrum-Störungen im Erwachsenenalter inne. Er ist Ausbildner, Supervisor und Psychotherapeut in kognitiver Verhaltens- und Schematherapie sowie zertifizierter DBT-Therapeut. Ferner ist er Autor verschiedener wissenschaftlicher Artikel. Er studierte Romanistik und Psychologie in Zürich, Paris und Basel.

JETZT

MITGLIED WERDEN?

2 + 10 =