Workshops

 

Im Rahmen der WTAS finden jedes Jahr Workshops zu unterschiedlichen Themen der Autismus-Forschung, aber auch verwandten Themefeldern statt.

WGAS Autismus - Unsere Ziele

Die Workshops müssen zusätzlich zur Tagung kostenpflichtig gebucht werden. Die Teilnahme an der WTAS ist verpflichtend, um sich für einen Workshop registrieren zu können.

Bitte beachten Sie, dass kurzfristige Änderungen am Workshop-Programm möglich sind. 

Für die Workshops werden Fortbildungspunkte vergeben, welche wir bei der jeweils zuständigen Ärztekammer beantragen. Die Fortbildungspunkte werden in der Regel  ebenfalls von der Psychotherapeutenkammer anerkannt.

Förderung der Sprachentwicklung mit dem Frankfurter Frühinterventionsprogramm A-FFIP (Online-Workshop)

Dr. Ziyon Kim & Susanne Hansen

Eine verzögerte oder stagnierende Sprachentwicklung sowie Schwierigkeiten in der Kommunikation sind bei Kindern mit Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) ein Kernsymptom. Dabei zeigt sich ein breites Spektrum: Kinder, die (noch) keine gesprochene Sprache entwickelt haben bis hin zu Kindern, die gute sprachliche Fähigkeiten besitzen, diese jedoch nicht verlässlich zur Kommunikation einsetzen. Sprache eröffnet zahlreiche Möglichkeiten für weitere Lernprozesse. Z.B. die Fähigkeit sich mitzuteilen, Wünsche zu äußern, Grenzen zu benennen oder Hilfe einzufordern sind zentral für die kindliche Entwicklung, ebenso wie der kommunikative Austausch mit anderen. Unter Berücksichtigung autismusspezifischer Besonderheiten werden in diesem Workshop entwicklungspsychologische Grundlagen sowie praktische Techniken zur Unterstützung des Spracherwerbs, der Erweiterung sprachlicher Fähigkeiten sowie wesentliche Aspekte der Kommunikationsgestaltung erläutert. Dabei werden alltagspraktische Übungen zur Förderung gemäß dem Frankfurter Frühinterventionsprogramm (AFFIP) dargestellt und Möglichkeiten der Umsetzung anhand von praktischen Fallbeispielen verdeutlicht. Der Workshop richtet sich vorrangig an interessierte Fachpersonen und Therapeuten aus dem Frühförderbereich.

Dr. Ziyon Kim ist als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Therapeutin im Autismus-Therapie- und Forschungszentrum des Universitätsklinikums Frankfurt am Main tätig. Neben der therapeutischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit Autismus und ihren Familien leitet sie als Projektmanagerin die DFG-geförderte A-FFIP Studie. In diesem Rahmen unterstützt sie die Schulungen externer Zentren zur praktischen Umsetzung des A-FFIP Manuals sowie die Evaluationsprozesse. Sie studierte Psychologie in Seoul, Korea und promovierte im Bereich der Entwicklungspsychologie in Frankfurt zu Imitation bei Kleinkindern. Ihr Interessensschwerpunkt liegt auf den frühkindlichen Vorläuferfertigkeiten, die im Rahmen von Autismus besonders bedeutsam sind.

M.A. Susanne Hansen ist Erziehungswissenschaftlerin und approbierte Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche. Sie ist seit 2013 im Autismus-Therapie- und Forschungszentrum der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Goethe-Universität Frankfurt als Therapeutin für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Autismus-Spektrum-Störung tätig. Seit vielen Jahren ist sie fester Bestandteil des Diagnostik-Teams und schult regelmäßig Fachpersonen in diesen Verfahren. In Kindergärten und Schulen berät sie außerdem Lehrer*innen und Erzieher*innen im Umgang mit Kindern und Jugendlichen mit Autismus-Spektrum-Störungen. Nebenher ist sie in einer Privatpraxis tätig. Ehrenamtlich engagiert sie sich als zweite Vorsitzende im Frankfurter Verein zur Unterstützung von psychisch kranken Kindern und Jugendlichen e.V.

FASTER-Gruppentherapie in der Praxis (Online-Workshop)

Dr. Thomas Fangmeier & Manon Mannherz

Die Freiburger Autismus-spezifische Therapie für Erwachsene (FASTER) wurde 2008 eingeführt und 2017 überarbeitet und erweitert. Nach jahrelangen positiven Erfahrungen werden aktuell 16 der bisher für ambulante Gruppen entwickelten Einheiten im Rahmen der von der DFG geförderten multizentrischen FASTER/SCOTT-Studie evaluiert.
FASTER ist eine manualisierte Gruppentherapie, die sich an Erwachsene aus dem Autismus-Spektrum richtet, die eine leichtgradige oder keine Beeinträchtigung der funktionellen Sprache und keine Störung der Intelligenzentwicklung haben.
Um erfolgreich mit Autist*innen im Gruppensetting zu arbeiten, sind neben einem guten Konzept weitere Faktoren entscheidend. Die Rahmenbedingungen, wie das Therapieteam persönlich zum Phänomen Autismus steht, wie es darüber kommuniziert und die Teilnehmer anspricht. Vieles, was für neurotypische, auch indikationsspezifische Gruppen passend ist, ist nicht autismusgerecht und überlässt die Anpassung den Teilnehmern, was den Therapieerfolg zwangsläufig vermindern wird.
Der Workshop stellt unsere heutige Arbeitsweise und unsere Erfahrungen aus bisher mehr als 20 FASTER-Gruppen vor. Wir erläutern die Struktur des Programms und der Sitzungen und stellen einzelne Interventionen zum Ausprobieren vor.

Dr. Thomas Fangmeier arbeitet seit 2007 am Universitätsklinikum Freiburg, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. In der Asperger-Studiengruppe ist er an der Koordination der Asperger-Sprechstunde sowie an der Entwicklung der Gruppentherapie FASER für Menschen mit Asperger-Syndrom oder hochfunktionalem Autismus beteiligt. Seit 2008 ist er als Therapeut im Rahmen der Gruppentherapie FASTER beteiligt.

Manon Mannherz arbeitet seit 2017 in der Forschungsgruppe Autismusforschung der Uniklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Freiburg, ist seitdem an der Weiterentwicklung des FASTER-Programms beteiligt und aktuell Teil des Studienteams der multizentrischen FASTER-SCOTT-Studie. Sie studierte Mathematik in Freiburg und Bonn und verfügt über 16 Jahre Berufserfahrung als IT Project Manager und Information Manager in Team- und Führungsrollen in Deutschland und der Schweiz. Seit 2008 führt sie mit staatlicher Heilerlaubnis eine eigene Praxis für Psychotherapie und Coaching, die auf die Arbeit mit erwachsenen Autist*innen und AD(H)Sler*innen spezialisiert ist. Sie bekam ihre ASS-Diagnose im Alter von 50 Jahren und ist Mutter zweier autistischer Kinder.

Freiburger Elterntraining für Autismus-Spektrum-Störungen: FETASS

Bettina Brehm & Dr. Judith Schill

Elterntrainings haben sich bereits bei mehreren Störungen der neuronalen und mentalen Entwicklung, unter anderem auch bei Autismus-Spektrum-Störungen als wirksam und nützlich erwiesen. In den letzten Jahren sind im Bereich der Autismus-Spektrum-Störungen einige deutschsprachige autismusspezifische Manuale zu Elterntrainings entstanden.
In diesem Workshop wird eine Einführung in das „Freiburger Elterntraining für Autismus-Spektrum-Störungen“ (Brehm, Schill, Biscaldi & Fleischhaker, 2015) gegeben. Das Training richtet sich an Eltern von Kindern mit hochfunktionalen ASS im Alter von 5 bis 12 Jahren. Es umfasst ein manualisiertes, strukturiertes Gruppenprogramm für Eltern mit dem Ziel, die Erziehungsfertigkeiten der Eltern zu verbessern und hilfreiche Strategien für die Bewältigung des Alltags mit dem betroffenen Kind zu vermitteln. Im Workshop werden die acht Sitzungen des Elterntrainings anhand der vorliegenden Materialien (Manual, Arbeitsbuch für Eltern, Folien zur Durchführung der Sitzungen) praxisnah vorgestellt.
Der Workshop richtet sich vor allem an Fachpersonen, die in der Beratung von Eltern tätig sind und die ein spezifisches Elterngruppentraining durchführen möchten.

Bettina Brehm ist Diplom-Psychologin und Psychologische Psychotherapeutin und arbeitet seit 2003 an der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im Kindes- und Jugendalter des Universitätsklinikums Freiburg. Nach mehreren Jahren im teilstationären Bereich arbeitet sie nun in der Psychiatrischen Institutsambulanz mit dem Schwerpunkt ASS (Diagnostik, Behandlung, Beratung, Supervision). Gemeinsam mit Judith Schill hat sie das Elterntraining FETASS entwickelt und führt dies regelmäßig durch.

Dr. Judith Schill ist Diplom-Psychologin und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin. Sie hat zunächst am Institut für Psychologie der Universität Freiburg promoviert und arbeitet seit 2005 an der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im Kindes- und Jugendalter des Universitätsklinikums Freiburg. Nach mehreren Jahren im stationären Bereich arbeitet sie nun in der Psychiatrischen Institutsambulanz mit dem Schwerpunkt ASS (Diagnostik, Behandlung, Beratung, Supervision). Gemeinsam mit Bettina Brehm hat sie das Elterntraining FETASS entwickelt und führt dies regelmäßig durch.

Autismus-Spektrum-Störungen im Erwachsenenalter und Borderline-Persönlichkeitsstörungen

Dr. Swantje Matthies & Dr. Martina Schlatterer

Borderline-Persönlichkeitsstörungen (BPS) gehören nicht zu den Komorbiditäten und Differenzialdiagnosen, die mit Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) vorrangig in Verbindung gebracht werden. Dabei zeigt sich in der Diagnostik und Therapie beider Störungsbilder, dass symptomatisch Überlappungen bestehen und auch das Auftreten beider Störungen als Komorbidität in relevanter Häufigkeit auftritt. Besonders bei Frauen stellt sich häufig die Frage, ob eine BPS, eine ASS oder beide Diagnosen vorliegen. Wissenschaftlich ist das Thema „ASS und BPS“ noch wenig erschlossen. Empfehlungen zur Therapie der komorbiden ASS + BPS stützen sich bislang nur auf klinische Erfahrungen in Einzelfällen.

Im vorliegenden Workshop sollen zunächst differentialdiagnostische Aspekte erörtert werden. Darüber hinaus werden zusätzliche therapeutische Inhalte ergänzend zur klassischen CBT bei Autismus-Spektrum-Störungen dargestellt. Erfahrungen mit stationären Patientinnen auf der Spezialstation für Borderline-Persönlichkeitsstörungen, bei denen komorbid oder differenzialdiagnostisch eine ASS vorliegt und mit Patientinnen auf der Spezialstation für ASS, bei denen komorbid oder differenzialdiagnostisch eine BPS vorliegt, fließen ein. Anhand von Fallvignetten können die Workshop-Teilnehmer*innen interaktiv in die Erarbeitung der Differenzialdiagnostik und Behandlungsplanung einbezogen werden und sind eingeladen, Erfahrungen auszutauschen und zu diskutieren.

PD Dr. Swantje Matthies ist Oberärztin an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsklinik Freiburg. Sie leitet die Station mit dem Schwerpunkt auf der Behandlung von Borderlinestörungen nach dem DBT-Konzept und die Spezialsprechstunde ADHS. Sie verfügt über langjährige klinisch-psychotherapeutische und wissenschaftliche Erfahrung im Bereich von Entwicklungsstörungen und emotionaler Instabilität.

Dr. Martina Schlatterer: Studium der Psychologie an der Universität Konstanz, 2003 Diplom in Psychologie, 2009 Approbation zur Psychologischen Psychotherapeutin mit Schwerpunkt Verhaltenstherapie, stationäre psychotherapeutische Tätigkeiten in verschiedenen Kliniken, 2013 Promotion im Bereich Motivationspsychologie, seit 2013 Anstellung an der Psychiatrischen Universitätsklinik Freiburg als Stationspsychologin auf der Station für Psychotische Störungen und Autismus-Spektrum-Störungen.

Bei Autismus ist alles anders? Behandlung von Komorbiditäten bei Kindern und Jugendlichen mit Autismus-Spektrum-Störung

Dr. Anika Langmann

Bis zu 80% der Menschen mit Autismus haben mindestens eine komorbide psychiatrische und/oder somatische Störung oder Erkrankung. Dies macht den Behandlungsbedarf eher zur Regel als zur Ausnahme. Begleiterkrankungen können ohne angemessene Behandlung einen verstärkenden Effekt auf die Kernsymptomatik haben. Eine adäquate Behandlung hingegen hat einen wesentlichen Einfluss auf die Lebensqualität, die Prognose und das Funktionsniveau von Menschen mit Autismus. Der Workshop stellt die häufigsten komorbiden Störungen vor und legt einen Schwerpunkt auf die therapeutischen Besonderheiten in der Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Autismus. Der Fokus liegt auf evidenzbasierten psychosozialen Behandlungsmöglichkeiten in verschiedenen Settings. Anhand von Fallbeispielen inkl. individueller Störungskonzepte sollen geeignete Interventionen aufgezeigt und gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern diskutiert werden.

Dr. Anika Langmann ist Psychologin und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin (VT). Sie ist seit 9 Jahren in der Arbeitsgruppe von Frau Prof. Dr. Inge Kamp-Becker in Marburg tätig und forscht dort zu Diagnostik und Therapie der Autismus-Spektrum-Störungen. Seit 2023 hat sie die therapeutische Leitung des Marburger Instituts für Autismusforschung und Therapie (MarIAT) inne. Ihr besonderer Schwerpunkt liegt auf der Frühförderung von Kleinkindern mit Autismus. In ihrer psychotherapeutischen Praxis in Marburg behandelt sie Kinder und Jugendliche aller Altersgruppen mit verschiedenen psychischen Erkrankungen.

Umgang mit herausfordernden Verhaltensweisen nach dem Frankfurter Frühinterventionsprogramm A-FFIP

Karoline Teufel & Eva Lopez 

Stark rigides, (auto-)aggressives oder oppositionelles Verhalten stellen oftmals für das Umfeld eine Herausforderung dar und können das Kind in seiner Entwicklung hemmen.
Das A-FFIP (Frankfurter Frühinterventionsprogramm für Kinder mit Autismus-Spektrum-Störungen) sieht im Umgang mit diesen Verhaltensbesonderheiten einen entwicklungspsychologischen und kompetenzorientierten Ansatz vor. Um das Kind in seiner Entwicklung zu unterstützen und die herausfordernden Verhaltensweisen abzubauen, wird das Verhalten zunächst fallspezifisch analysiert, um die individuellen Wirkzusammenhänge zu erfassen. Anschließend kommen evidenzbasierte Methoden zum Einsatz, um passende Verhaltensalternativen aufzubauen.

In diesem Workshop sollen Wege vermittelt werden, die beschriebenen Verhaltensweisen zu analysieren und einen entwicklungsorientierten und alltagstauglichen Umgang damit zu finden, bei dem auch die kindlichen Bedürfnisse Berücksichtigung finden. Der Workshop soll entsprechend auch Raum für Diskussionen zu praktischen Implikationen des Gelernten bieten.

Karoline Teufel ist Diplom-Psychologin und war in verschiedenen Einrichtungen mit unterschiedlichen Therapieansätzen für Autismus-Spektrum-Störungen tätig. Seit 2015 arbeitet sie in leitender Funktion im Autismus-Therapie- und Forschungszentrum der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Goethe-Universität Frankfurt. Ihr besonderes Anliegen ist es, die Erkenntnisse aus der entwicklungspsychologischen und klinischen Forschung zu integrieren, um Kinder und Jugendliche mit Autismus-Spektrum-Störungen und ihre Familien mit evidenzbasierten Maßnahmen zu unterstützen. Sie war federführend an der Entwicklung des Frankfurter Frühinterventionsprogramms für Kinder mit Autismus (A-FFIP) beteiligt.

Eva Lopez ist Diplom-Psychologin und approbierte Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche. Sie ist seit 2011 im Autismus-Therapie- und Forschungszentrum der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Goethe-Universität Frankfurt als Therapeutin für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Autismus-Spektrum-Störung tätig. Darüber hinaus führt sie auch Autismus-Diagnostik durch. Seit vielen Jahren berät und schult sie Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen im Umgang mit Kindern und Jugendlichen mit Autismus-Spektrum-Störungen.

Die Bedeutung der sozio-emotionalen Entwicklung in der Unterstützung und Förderung von Menschen aus dem Autismus-Spektrum

Milena Mielke

Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) sind neuronale Entwicklungsstörungen, die mit einer Verzögerung bzw. unvollständigen Ausbildung kognitiver und sozio-emotionaler Fähigkeiten verbunden sind. Bei Menschen mit einer ASS können neben den autismusspezifizischen Symptomen auch weitere Kompetenzen beispielsweise im Bereich der sozialen Kognition betroffen sein, was zu Diskrepanzen zwischen den verschiedenen Entwicklungsbereichen führen kann. Diese Entwicklungsverzögerungen und -diskrepanzen können Verhaltensprobleme bis hin zu psychischen Störungen bedingen. Die Erhebung des sozio-emotionalen Entwicklungsprofils kann zum besseren Verständnis der Fähigkeiten sowie einer ganzheitlichen Begleitung und Förderplanung beitragen.

Dieser Workshop führt in das Konzept sozio-emotionaler Entwicklung ein und vermittelt die neuroanatomischen und entwicklungspsychologischen Grundlagen sozio-emotionaler Kompetenzen. Dabei werden insbesondere die typischerweise entwicklungsverzögerten Bereiche bei Menschen mit einer ASS beleuchtet. Anhand der Skala der Emotionalen Entwicklung – Diagnostik (SEED) wird die Erhebung des Entwicklungsstands bei Personen mit einer Störung der Intelligenzentwicklung demonstriert. Herausforderungen und Besonderheiten beim Einsatz der Skala bei dieser Personengruppe werden diskutiert. Mit Hilfe von Fallbeispielen wird den Teilnehmenden ein Einblick in die Entwicklung von Assistenz-, und Förderkonzepten ermöglicht. Beispiele aus therapeutischer und pädagogischer Praxis der Teilnehmenden sind willkommen, Raum für Erfahrungsaustausch wird gegeben.

Der Workshop vermittelt, wie durch eine auf das Entwicklungsprofil abgestimmte, individuelle Assistenzplanung Selbstständigkeit und soziale Teilhabefähigkeit fördern kann und sich die Lebensqualität verbessern kann.

Malena Mielke ist M.Sc. Psychologin, lösungsfokussierte Beraterin und Mitarbeiterin im Fachdienst Autismus von Bethel.regional. Arbeitsschwerpunkte sind die Diagnostik von Autismus-Spektrum-Störungen und der sozio-emotionalen Entwicklung sowie die Beratung rund um die Assistenzleistung für Menschen im Autismus-Spektrum. Als Referentin für das Fortbildungsinstitut AUTEA bietet Sie Fortbildungen unter anderem zu den Themen Autismus, Emotionale Entwicklung und Umgang mit herausforderndem Verhalten an.

Evidenzbasiertes Frühinterventionsprogramm „PACT – Paediatric Autism Communication Therapy“

Prof. Dr. Luise Poustka & Dr. Corinna Isensee

Langzeituntersuchungen weisen auf die hohe Bedeutsamkeit einer möglichst frühen Identifikation von Symptomen aus dem autistischen Spektrum hin, um entsprechende therapeutische Interventionen einzuleiten und dadurch die langfristige Entwicklung des Kindes positiv zu beeinflussen (Bradshaw, Steiner, Gengoux & Koegel, 2015). Für das Kleinkind- und Vorschulalter existieren verschiedene, empirisch evaluierte, verhaltenstherapeutische Frühinterventionsprogramme. In den letzten Jahren hat sich – im Gegensatz zu den ersten Frühfördermodellen nach Lovaas – ein Trend hin zu Programmen entwickelt, die statt einer breit angelegten Zielsymptomatik, den Schwerpunkt auf die frühen Vorläufer der sozialen Kommunikation legen (u.a. geteilte Aufmerksamkeit, Imitation), auf eine kürzere Dauer angelegt sind und in das natürliche Lebensumfeld der Kinder integriertbar sind. Eine dieser Frühinterventionsmethoden ist Peadiatric Autism Communication Therapy (PACT; Aldred, Green, Howlin, Couteur & PACT Therapists, 2018). PACT ist ein elternzentriertes, auf Videofeedback basierendes, empirisch validiertes Interventionsprogramm zur Verbesserung soziokommunikativer Kompetenzen bei Kindern mit ASS. Im Mittelpunkt der Behandlungsmethode steht das Eltern-Kind-Spiel, welches als Lernumfeld für den Aufbau grundlegender kommunikativer Fertigkeiten in der Eltern-Kind-Dyade (u.a. geteilte Aufmerksamkeit, Synchronizität, Sprache) genutzt wird. Über geleitetes Entdecken im videogestützten Gespräch werden die Eltern in einem angepassten, die Kommunikation ihres Kindes fördernden Umgang unterstützt. In einer Untersuchung von Pickles et al. (2016) zeigte sich im Langzeitverlauf eine stabile Symptomreduktion im Follow-up von über fünf Jahren. Der Workshop soll eine Einführung in den theoretisch-empirischen Hintergrund sowie das Rational und die Ziele von PACT geben und die praktische Umsetzung anhand konkreter Fallbeispiele erläutern.

Prof. Dr. Luise Poustka ist Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters des Universitätsklinikums Heidelberg. Ihr wissenschaftlicher Schwerpunkt liegt auf der Erforschung und Behandlung von Autismus-Spektrum-Störungen, insbesondere der der Früherkennung ab dem Säuglingsalter bei Hochrisikokindern sowie pharmakologischen und verhaltenstherapeutischen Kombinationstherapien bei ASS. Sie ist Mitglied des ersten Deutschen Forschungsnetzes zu Autismus-Spektrum-Störungen (www.asd-net) und leitet die bisher größte deutsche Untersuchung zur Kombinationstherapie von Oxytocin und Verhaltenstherapie. Sie ist ausgebildete Verhaltenstherapeutin und Supervisorin, Mitglied der Steuerungsgruppe der Deutschen S3-Leitlinien für Autismus-Spektrum-Störungen, Vorstandsmitglied der wissenschaftlichen Gesellschaft Autismus Spektrum (www.wgas.org) und Mitglied internationaler Konsortien zu Erforschung von ASS.

Dr. Corinna Isensee ist approbierte Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin (Schwerpunkt Verhaltenstherapie) und leitet die Spezialambulanz für Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) in der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/ Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen. In diesem Rahmen bietet sie Diagnostik, Beratung sowie Einzel- und Gruppentherapien für Kinder und Jugendliche mit ASS an. Sie hat zudem mehrjährige Erfahrung in der Diagnostik sowie Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Störungsbildern aus dem gesamten psychiatrischen Spektrum. Frau Isensee ist in autismusspezifischen Frühinterventionsprogrammen geschult und führt diese durch. Ferner bietet sie Fortbildungen und Supervisionen für Fachpersonal aus verschiedenen Disziplinen (u.a. ÄrztInnen, (i.A. befindliche) PsychotherapeutInnen, in SPZs und Frühförderstellen tätiges Fachpersonal, Lehrer) deutschlandweit an.

Beziehungsgestaltung und Zielsetzung in der Psychotherapie Erwachsener aus dem Autismusspektrum

Dr. Andreas Riedel & Dr. Salvatore Corbisiero

In der „neurotypischen Psychotherapie“ ist es längst weitgehender Konsens, dass einer der zentralen Wirkfaktoren von Psychotherapie die therapeutische Beziehung ist. Erstaunlicher Weise scheint dies im Bereich ASS ein wenig ausgeblendet zu sein. Es macht fast den Eindruck, als sei die therapeutische Beziehung in der Therapie von Erwachsenen mit ASS „nicht so wichtig“. Dieser „Neglect“ der therapeutischen Beziehung in der Behandlung von Erwachsenen mit ASS entspringt vielleicht dem Klischee, dass Autisten bindungs- und beziehungslos durch die Welt gingen und auch keine Bindungen brauchten. Das stimmt natürlich nicht. Viele Erwachsene mit ASS haben zwar Schwierigkeiten, gute Beziehungen zu knüpfen, nicht aber wegen mangelnder Bindungsfähigkeit, sondern vielmehr aufgrund der vielen Missverständnisse und Disharmonien mit der neurotypischen Umwelt.

Hier ist eine Korrektur der impliziten Annahme, dass die therapeutische Beziehung irrelevant sei, von großer Bedeutung, weswegen sich der Workshop ausführlich dem Thema Beziehungsgestaltung widmet. Damit einher geht die Frage nach sinnvollen und von TherapeutIn und KlientIn geteilten Zielen der Therapie, die individuell sehr unterschiedlich sein können. Auch auf dieses Thema wird sich der Workshop fokussieren.

PD Dr. Andreas Riedel ist seit 2020 Teil eines Leitender-Arzt-Tandems an der Luzerner Psychiatrie und leitet dort u.a. die Fachstelle Autismus. Er war von 2009 bis 2020 Leiter der Spezialsprechstunde für Autismus-Spektrum-Störungen im Erwachsenenalter sowie Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg. Er studierte Philosophie und Medizin in Freiburg im Breisgau, Kathmandu und London. Psychotherapeutisch wurde er tiefenpsychologisch ausgebildet.

Dr. Salvatore Corbisiero ist seit 2019 Leiter der Tagesklinik Luzern der Luzerner Psychiatrie. Er war von 2011 bis 2018 an den Universitären Psychiatrischen Kliniken in Basel tätig und hatte zuletzt die Leitung der Spezialsprechstunden für ADHS und Autismus-Spektrum-Störungen im Erwachsenenalter inne. Er ist Ausbildner, Supervisor und Psychotherapeut in kognitiver Verhaltens- und Schematherapie sowie zertifizierter DBT-Therapeut. Ferner ist er Autor verschiedener wissenschaftlicher Artikel. Er studierte Romanistik und Psychologie in Zürich, Paris und Basel.

Schematherapie bei Jugendlichen und Erwachsenen mit ASS

C. Lechmann

In bisherigen Ansätzen zur Therapie und Förderung von Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung spielen die psychischen Grundbedürfnisse und individuellen Bewältigungswege keine oder eine untergeordnete Rolle. Die Anwendung der Schematherapie in diesem Bereich ist relativ neu, erscheint aber schon jetzt als notwendige Ergänzung und Erweiterung der üblichen Praxis.

In diesem Seminar sollen typische Schemata bei Menschen mit einer autistischen Störung herausgearbeitet und ein störungsspezifisches Moduskonzept entwickelt werden. Typische Hürden bei der Anwendung mit Menschen mit einer autistischen Störung werden beschrieben, eingeordnet und Lösungswege aufgezeichnet.

Claus Lechmann ist Diplom-Psychologe, PP, KJP. 10 Jahre Klinische Tätigkeit in verschiedenen Psychiatrien. Seit 1995 Leitung des AutismusTherapieZentrums (ATZ) in Köln, seit 1997 Dozent, Supervisor, Selbsterfahrungsleiter bei verschiedenen Ausbildungsinstituten, Leiter einer VT-Lehrpraxis. Mitglied der Steuergruppe der AWMF-S3-Leitlinien zur Diagnostik und Therapie der Autismus-Spektrum-Störungen. Seit 2005 schematherapeutische Fortbildung, 2014 ISST-Zertifizierung, Mit-Herausgeber & Autor von Buchkapiteln und einem Lehrvideo zum Thema „Schematherapie mit Kindern und Jugendlichen“.

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